Kommunikationsarten
Unicast, Broadcast und Multicast erklärt
Kommunikationsarten
Einführung
Wir haben bereits gelernt, dass es zielgerichtete und ungerichtete Kommunikation gibt. Jetzt schauen wir uns die drei wichtigsten Kommunikationsarten im Netzwerk genauer an.
Unicast - Eins zu Eins
Was ist Unicast?
Unicast = Ein Sender kommuniziert mit genau einem Empfänger
- Häufigste Form der Netzwerkkommunikation
- Daten gehen nur an ein bestimmtes Ziel
- Wie ein persönlicher Brief mit einer Adresse
Beispiele
- Computer A lädt eine Webseite von Server B
- Smartphone sendet E-Mail an E-Mail-Server
- Videokonferenz zwischen zwei Personen
- Dateiübertragung von einem PC zum anderen
Wie funktioniert Unicast?
Sender: Computer A (192.168.1.10)
Ziel: Server B (192.168.1.50)
Computer A → [Paket mit Ziel-IP 192.168.1.50] → Server B
Switch/Router: "Paket ist für 192.168.1.50"
→ leitet nur zu diesem Gerät weiter
Eigenschaften
Vorteile:
- Effizient: Daten gehen nur ans Ziel
- Privat: Nur Sender und Empfänger beteiligt
- Zuverlässig: Bestätigungen möglich
Nachteil:
- Jeder Empfänger braucht eigene Kopie
- Bei vielen Empfängern: Viel Bandbreite nötig
Praxisbeispiel
Ein Server stellt ein Video bereit. 100 Nutzer schauen es:
- Server muss 100 individuelle Streams senden
- Hohe Bandbreiten-Anforderung
- Skaliert schlecht
Broadcast - Eins zu Allen
Was ist Broadcast?
Broadcast = Ein Sender kommuniziert mit allen Geräten im Netzwerk
- Nachricht geht an alle, auch wenn nicht alle interessiert sind
- Wie eine Durchsage in einem Gebäude
- Funktioniert nur im lokalen Netzwerk (nicht über Router)
Beispiele
- DHCP-Anfrage: "Wer kann mir eine IP-Adresse geben?"
- ARP-Anfrage: "Wer hat IP 192.168.1.50?"
- Wake-on-LAN: "Computer mit MAC XX:XX:XX, wach auf!"
Wie funktioniert Broadcast?
Sender: Computer A (192.168.1.10)
Ziel: Broadcast-Adresse (z.B. 192.168.1.255)
Computer A → [Paket mit Ziel-IP 192.168.1.255] → ALLE Geräte
Switch: "Broadcast-Adresse erkannt"
→ sendet an ALLE Ports
Broadcast-Adressen
MAC-Broadcast:
- Adresse:
FF:FF:FF:FF:FF:FF - Geht an alle Geräte im lokalen Netzwerk
IP-Broadcast (IPv4):
- Netzwerk: 192.168.1.0/24
- Broadcast: 192.168.1.255 (letzte Adresse)
- Geht an alle Hosts im Netzwerk
IPv6:
- Hat KEIN Broadcast mehr
- Stattdessen: Multicast
Eigenschaften
Vorteile:
- Alle erreichbar mit einer Nachricht
- Gut für Entdeckung (z.B. "Wer ist da?")
- Keine Kenntnis der Empfänger nötig
Nachteile:
- Ineffizient: Alle müssen Paket verarbeiten
- Belastet Netzwerk
- Funktioniert nicht über Router (nur lokal)
- Sicherheitsrisiko (alle sehen alles)
Praxisbeispiel: DHCP
1. Neues Gerät im Netzwerk: "Ich brauche eine IP!"
→ Sendet Broadcast (weiß ja keine Server-Adresse)
2. DHCP-Server antwortet: "Hier ist 192.168.1.100 für dich"
→ Unicast-Antwort
3. Gerät bestätigt: "Okay, ich nehme 192.168.1.100"
→ Broadcast (noch keine IP konfiguriert)
4. Server: "Bestätigt, 192.168.1.100 ist vergeben"
Broadcast-Domäne
Wichtiger Begriff: Broadcast-Domäne
- Alle Geräte, die einen Broadcast empfangen
- Begrenzt durch Router oder VLANs
- Je größer die Domäne, desto mehr Broadcast-Traffic
Switch verbindet Geräte → eine Broadcast-Domäne
Router trennt Netzwerke → verschiedene Broadcast-Domänen
Multicast - Eins zu Vielen
Was ist Multicast?
Multicast = Ein Sender kommuniziert mit einer Gruppe interessierter Empfänger
- Zwischen Unicast und Broadcast
- Nur Geräte, die der Gruppe beitreten, empfangen
- Wie ein Radiosender (nur wer einschaltet, hört zu)
Beispiele
- IPTV / Streaming: Ein Stream für viele Zuschauer
- Video-Konferenzen mit mehreren Teilnehmern
- Software-Updates im Unternehmen
- Routing-Protokolle (Router sprechen miteinander)
Wie funktioniert Multicast?
Sender: Server (sendet Video-Stream)
Gruppe: 239.1.1.1 (Multicast-Adresse)
Interessierte Geräte:
- Computer A: "Ich will 239.1.1.1 empfangen" (IGMP Join)
- Computer C: "Ich will 239.1.1.1 empfangen" (IGMP Join)
- Computer B: (nicht interessiert)
Server → [Paket an 239.1.1.1] → nur Computer A und C
Multicast-Adressen
IPv4 Multicast:
- Bereich: 224.0.0.0 bis 239.255.255.255
- Beispiel: 239.1.1.1 (für Gruppe 1)
IPv6 Multicast:
- Beginnt mit: FF00::/8
- Beispiel: FF02::1 (alle Geräte im Link)
MAC-Multicast:
- Beginnt mit: 01:00:5E:...
- Abgeleitet von IP-Multicast-Adresse
IGMP - Internet Group Management Protocol
Damit Multicast funktioniert:
- Geräte melden sich an bei einer Gruppe (IGMP Join)
- Switches merken sich welche Ports interessiert sind
- Server sendet nur eine Kopie
- Switch dupliziert zu interessierten Ports
Eigenschaften
Vorteile:
- Effizient: Nur eine Kopie im Netzwerk
- Skalierbar: 10 oder 1000 Empfänger = gleicher Aufwand
- Bandbreiten-schonend: Nicht für jeden Empfänger eigener Stream
Nachteile:
- Komplexer als Unicast
- Nicht alle Netzwerke unterstützen Multicast gut
- Konfiguration erforderlich
Praxisbeispiel: Video-Stream
Mit Unicast (ineffizient):
Server sendet 100 separate Streams für 100 Zuschauer
Bandbreite: 100 × 5 Mbit/s = 500 Mbit/s
Mit Multicast (effizient):
Server sendet 1 Multicast-Stream
Switch dupliziert zu interessierten Ports
Bandbreite auf Server-Seite: 1 × 5 Mbit/s = 5 Mbit/s
Vergleich der Kommunikationsarten
| Eigenschaft | Unicast | Broadcast | Multicast |
|---|---|---|---|
| Empfänger | Einer | Alle | Gruppe |
| Effizienz | Mittel | Niedrig | Hoch |
| Verwendung | Meiste Kommunikation | Entdeckung | Streaming |
| Über Router | Ja | Nein | Ja* |
| Beispiel | Webseite laden | DHCP | IPTV |
*Multicast über Router benötigt spezielle Konfiguration (Multicast Routing)
Zusammenfassung
Unicast
- Eins zu Eins Kommunikation
- Normale Kommunikation zwischen zwei Geräten
- Häufigste Form im Netzwerk
Broadcast
- Eins zu Allen im lokalen Netzwerk
- Für Entdeckung und Anfragen
- Belastet Netzwerk, nur lokal
Multicast
- Eins zu Gruppe interessierter Empfänger
- Effizient für Streaming und Verteilung
- Benötigt Unterstützung im Netzwerk
Wichtig
- Richtige Kommunikationsart wählen
- Broadcast sparsam einsetzen
- Multicast für viele gleichzeitige Empfänger
In der nächsten Lektion lernen Sie den Unterschied zwischen lokaler und netzwerkübergreifender Kommunikation.